Manualmedizin

In der Manualmedizin hat man grundsätzlich zwei Möglichkeiten der Behandlung:

  1. mobilisierende Behandlung
  2. manipulierende Behandlung

Bei der mobilisierenden Behandlung wird die Beweglichkeit durch sanfte und häufig wiederholte Dehnungsbewegungen wiederhergestellt.
Die manipulierende Behandlung löst die Blockierung mit einer schnell durchgeführten Grifftechnik, die mit wenig Kraft und kleiner Bewegungsauslenkung ausgeführt wird (sanfte Manipulation).
An der Wirbelsäule ist die manipulative Technik dem chirotherapeutisch ausgebildetem Arzt vorbehalten. Manipulative Techniken an Extremitätengelenken sowie mobilisierende Wirbelsäulentechniken können auch von entsprechend ausgebildeten nichtärztlichen Personen durchgeführt werden.

 

Chirotherapie

Chirotherapie oder Manuelle Medizin (von griech. χειρ = Hand) befasst sich mit der Wiederherstellung der Beweglichkeit von Gelenken, die eine gestörte Funktion bei intakter anatomischer Struktur aufweisen.

Das „Knochensetzen” ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Die ersten bekannten Erwähnungen gehen bis in das 5. Jahrhundert v. Chr. zurück. Hier sind auf griechischen Reliefs Wirbelsäulenbehandlungen aufgezeigt, die den heutigen Manipulationstechniken sehr ähnlich sind. In unserer abendländischen Kultur wies Hippokrates (460 – 377 v. Chr.) in seinem Werk „de articulis” (lat. „über die Gelenke”) auf die Rolle der Wirbelsäule bei Erkrankungen hin.
In Deutschland ist der Begriff „Chirotherapie” sehr gebräuchlich und darf im ärztlichen Bereich nach einer Zusatzausbildung mit Prüfung vor der jeweiligen Landesärztekammer durchgeführt werden. Immer häufiger jedoch findet die internationale Bezeichnung „Manuelle Medizin” als Synonym Verwendung. Krankengymnasten können nach Abschluss einer Zusatzausbildung die Bezeichnung „Manuelle Therapie” erwerben.

Die Chirotherapie/Manuelle Medizin behandelt reversible (lat. wieder korrigierbare/herstellbare) Funktionsstörungen mit Bewegungseinschränkungen.
Im Volksmund hat sich dafür der etwas mechanistische Begriff „Blockierung” eingebürgert. Dies bedeutet:

  • die Funktion eines Gelenkes ist reversibel im Sinne einer Bewegungseinschränkung gestört. Die Bewegung ist jedoch nie völlig aufgehoben, sondern lediglich in eine oder mehrere Richtungen eingeschränkt
  • die zum Gelenk gehörende Muskulatur ist auf neurophysiologischem Wege in die Richtung der Bewegungseinschränkung verspannt
  • jedem Gelenk ist entwicklungsgeschichtlich ein Gewebe oder Organ über eine bestimmte Verteilung auf dem Körper (segmentale Aufteilung) zugeordnet. Die Funktion der dem segmental zugeordnetem Gewebe oder Organ kann beeinträchtigt sein.

Fehlinterpretationen wie „Verrenkung”, „herausgesprungener Wirbel”, „Subluxation” oder „eingeklemmter Nerv” sollten unbedingt vermieden werden, denn bei der Blockierung handelt es sich um ein kompliziertes Zusammenspiel von Muskelungleichgewichten und nervös-reflektorischen Störungen. Schmerz- und Bewegungsrezeptoren melden Signale (Haltung, Gelenkstellung, Spannungsänderungen, Reizzustände oder veränderte Gelenkkapselspannung) an die graue Substanz des Rückenmarkes. Hier werden die Signale registriert, gewertet und auf verschiedenen Ebenen des Rückenmark-Gehirn-Komplexes verarbeitet, um dann als Reflexantwort (schmerzbedingte Schiefhaltung, Schmerz, muskuläre Verspannung) an das entsprechende Gelenk zurückgegeben.